Chronik des TC Blau-Weiss Hünfeld 1990 - 2000


EINLEITUNG

Wie alt eigentlich Tennis ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Aus überlieferten Büchern und Schriften können wir nur entnehmen, dass der französische Vorläufer des heutigen Spiels, jeu de paume (Spiel 'mit der flachen Hand'), in den Ballhäusern der Könige und der gut situierten Gesellschaftsschichten zum Zeitvertreib betrieben wurde. Erst im Jahre 1874 stellte der englische Major Wingfield Regeln zu diesem Spiel auf und ließ sie patentieren. Aus dem gemütlichen Gesellschaftsspiel entwickelte sich ein Wettkampfsport, der seit den ersten Meisterschaften in Wimbledon (London) im Juli 1877 nicht nur alle Schichten des Volkes begeistern, sondern auch die ganze Welt umspannen sollte. Bereits 1896 feierte Tennis Premiere bei den Olympischen Spielen in Athen. Zwischen 1924 und 1984 war diese Sportart zwar nicht als olympische Disziplin zugelassen, sie schaffte aber 1988 in Seoul den endgültigen Durchbruch. Die spektakulären Erfolge von Steffi Graf und Boris Becker verliehen dem Sport ein besonderes Image und zogen bundesweit viele tennisbegeisterte Jugendliche an. Im Laufe der Jahrzehnte wurden unzählige nationale Verbände, Vereine und Clubs gegründet. So gehört auch unser Tennisclub 'Blau-Weiß Hünfeld e.V.' seit dem 26. Februar 1951 zu dieser Sportgemeinschaft. Im Gegensatz zu den Anfängen des Tennissports lässt sich das zweifelsfrei genau datieren, unter anderem auch dank der Clubchronik. Der erste, von meinem Vater Dr. Willi Ohlendorf, Martin Ebert und Otto Helmer verfasste Teil der Chronik schildert das 40-jährige Bestehen unseres Clubs im Zeitraum von 1951 bis 1991. Seit 2001 zeichne ich für die Aufzeichnung der Clubgeschichte seit 1990 verantwortlich.

Bevor ich aber zur chronologischen Darstellung der Ereignisse komme, möchte ich einleitend erwähnen, wie es eigentlich dazu kam, dass ich 1990 als Vorsitzender die Nachfolge von Martin Ebert antrat. Die Vorstandsmitglieder hatten sich bereits 1989 Gedanken über die Fortsetzung der Tradition lange amtierender Präsidenten unseres Clubs gemacht. Der erste Präsident, Gustav Zahn, betreute sein Amt zehn Jahre lang, anschließend mein Vater, Dr. Willi Ohlendorf, zwanzig Jahre und schließlich Martin Ebert zehn Jahre. Gerade die lange Kontinuität der Amtszeiten wirkte sich immer positiv auf das Vereinsleben aus und sorgte für eine optimale Steuerung langfristiger Projekte. Als mir das Amt in dieser Vorentscheidung angetragen wurde, war ich sehr überrascht, weil ich zu jener Zeit meine sportlichen Aktivitäten vielmehr mit einem Golf- als einem Tennisschläger in der Hand auslebte. Nach reiflicher Überlegung fand ich aber kein anderes Mitglied, das dem Verein seinerzeit  in einem gewissen Maße verbunden war und Interesse oder Mut hätte, das Steuer nicht nur zu übernehmen, sondern auch nötigenfalls umzureißen. Aufgrund der langen Tradition wollte ich natürlich nicht als Eintagsfliege in die Geschichte unseres Vereins eingehen und stellte einige Zielsetzungen auf, die nach einer Statusanalyse strategisch und konsequent zu erreichen wären.

Die Ausgangsposition im Jahre 1990 stellte sich mit einer wunderbaren Anlage mit acht Tennisplätzen, soliden Finanzen und einer hohen Mitgliederzahl (490) sehr gut dar. Was im Argen lag, war schlicht und ergreifend der sportliche Bereich. Zu dieser Zeit war unser Verein mit keiner Mannschaft auf der Landesebene vertreten und auch die erste Herrenmannschaft spielte Bezirksklasse B, was aufgrund der Größe und Tradition unseres Vereins eher nicht zu erwarten gewesen wäre. Im Breitensportbereich gab es zwar eine intensive Jugendarbeit, doch im Leistungsbereich benötigten wir dringend einen qualifizierten Trainer, der die vorhandenen Talente ausbauen und fördern sollte. Des Weiteren musste das Clubhaus mit seinem circa 18 Jahre alten, stark beanspruchten Innenleben und den Sanitäranlagen in einem katastrophalen Zustand saniert und modernisiert werden, um auch der mittlerweile fast doppelt so hohen Mitgliederzahl gerecht zu werden und unseren Vereinsmitgliedern Wohlgefühl und Komfort zu bieten.

Diese neue Aufgabe als Vorsitzender des TC Blau-Weiß Hünfeld und die Ziele, die ich mir gesteckt hatte, ging ich froher Hoffnung an: es galt, den Verein leistungsstark auf der Landesebene im Jugend- und Erwachsenenbereich zu vertreten sowie ein modernes Clubhaus zu erstellen.

DAS JAHR 1990

Nach den Wahlen 1990 setzte sich der Vorstand aus altgedienten, erfahrenen Vorstandsmitgliedern und neuen Personen zusammen. Das vermittelte uns gleichzeitig ein Gefühl von Stabilität und von frischem Wind. Auf jeden Fall sorgte der neue Vorstand für einen guten Start ins neue Jahrzehnt unserer Clubgeschichte. Das Amt des Zweiten Vorsitzenden betreute weiter Otto Helmer, Edda Grund als Schatzmeisterin und Hermann Holzke als Schriftführer verblieben im Vorstand. Neu besetzt wurde das Amt des Sportwartes, das jetzt Heinz Proksch für Erich Krock übernahm, wo er in den nächsten Jahren sehr gute Akzente setzte. Als Ersatz für Dr. Peter Müller-Engelmann wurde Rainer Lübeck als Jugendwart gewählt, da dieser damals bereits das Jugendtraining fast vollständig übernommen hatte und die Kantine betreute, woraus seine guten Kontakte zu der Clubjugend resultierten. Seine Frau Christina Taubert-Lübeck löste Christa Rieß als Kulturwartin ab.

Turniertradition neu belebt

In den 1960er und 1970er Jahren wurde unsere Clubanlage jährlich zu einem großen Treffpunkt für junge Tennisspieler, die sich im Rahmen der Nordhessischen Jugendmeisterschaften messen konnten. Das Ausrichten von Jugendturnieren gehörte damals zur Tradition von 'Blau-Weiß Hünfeld', und wir waren sehr froh, im Sommer 1990 wieder an diese Tradition anknüpfen zu können. In Anlehnung an die Bezirksmeisterschaften der Jugend richteten wir die Kreisjugendmeisterschaften aus, die unsere Anlage für drei Tage mit circa 115 Teilnehmern füllte.
In diesem Jahr wurde noch eine andere Tradition unseres Tennisclubs neu belebt: das Freundschaftsturnier mit unseren italienischen Freunden aus Castiglione. Die Kontakte waren bereits 1966/67 von dem Hünfelder Rolf Kissing (leitender Angestellter des international agierenden Kosmetikanbieters 'Wella', der in Italien eine Niederlassung des Konzerns aufbaute und dort einen Tennisclub gründete) und von dem damaligen Ersten Vorsitzenden des TC 'Blau-Weiß' Dr. Willi Ohlendorf hergestellt worden. Im Herbst frischten wir die freundschaftlichen Beziehungen neu auf und erhielten Besuch aus Italien. An einem wunderschönen Wochenende kämpften wir um den 'Coppa d’Amicitià'. Beide Seiten waren hoch motiviert und auf den Sieg eingeschworen, so dass unser Treffen unentschieden 9:9 endete und in einem stimmungsvollen italienischen Abend mit Nationalhymnen, Goldmedaillen und dezenter Rührung Ausklang fand. Stefano Finadri, der Vorsitzende des Vereins, sprach eine Einladung für das nächste Jahr nach Castiglione an uns aus.
Neben den oben ausführlicher geschilderten sportlichen Ereignissen standen auf dem Programm alljährliche Veranstaltungen wie das Dr.-Ohlendorf-Mixed-Turnier, erfolgreiche Clubmeisterschaften und Medenspiele, bei denen unsere Mannschaften sich recht gut stabilisieren konnten. Die Herren und Damen spielten in der Bezirksklasse B, aber immerhin hatten drei Jugendliche unsere Hoffnungen auf überregionale Leistungen geweckt, da sie im Kreistraining spielten. Diese Gruppe bildeten damals Lars und Nils Künne sowie Joachim Weber. Es war durchaus ein optimistischer Anfang und die Zahl der Spieler im Kreistraining sollte sich im nächsten Jahr auf sechs erhöhen.

DAS JAHR 1991

Dieses Jahr war reich an Ereignissen und unser Tennisclub erfuhr einige Neuerungen sowohl in der Optik als auch in der internen und externen Struktur. In diesem Jahr stieg die Mitgliederzahl auf 507  und wir waren besonders zufrieden mit dem hohen Anteil von Jugendlichen (130).


40 Jahre TC 'Blau-Weiß Hünfeld' - Jubiläumsfeier

Bereits im Winter 1990 stellten wir die ersten Planungen für das 40-jährige Jubiläum auf. Das Fest sollte am 15. Juni unter freiem Himmel in unserer Clubanlage stattfinden, und zwar in lockerer sportlich-festlicher Atmosphäre, also anders als in den letzten Jahren im Kolpinghaus in feierlicher Ballstimmung.
Das Jubiläum sollte mit über 100 Gästen gefeiert werden und wir wollten uns keine organisatorische Blöße geben. Deswegen haben wir alles akribisch geplant: Carlo Malkmus und seine Frau Ingrid hatten ein opulentes Menüangebot als Büfett aufgebaut – wir nannten es ein großes Barbecue. Daneben hatten wir auf Platz Nr. 2 eine zwölf mal zwölf  Meter große, mit stabilen Bohlen unterlegte Tanzbühne errichtet. Allein das Wetter ließ sich nicht planen . Als sich gegen 19.00 Uhr, kurz bevor die Gäste eintrafen, eine dunkle, gewittergeladene Riesenwolke von Bad Hersfeld her der Anlage näherte, begann ich mir Vorwürfe zu machen. Ich hätte doch auf meine Kollegen hören und Vorsorge für eventuelle Regenfälle treffen sollen. Nun blieb uns nichts mehr übrig als abwarten und beten. Und tatsächlich schwenkte die Regenfront kurz vor der Anlage ab und wir konnten den schönen Juniabend bis in die Morgenstunden in vollen Zügen genießen.
Der Begrüßung der Gäste folgte die Präsentation der Clubchronik '40 Jahre Tennis in Hünfeld'. Anschließend konnten alle Anwesenden einen grandiosen Schaukampf zwischen Carlos Castelan (einem ehemaligen argentinischen 'Davis Cup' Spieler, der zu diesem Zeitpunkt als Trainer bei 'Grün-Weiß' Fulda fungierte) und Andreas Kieslich (dem besten Spieler aus unseren Reihen, der ein Jahr zuvor den Clubmeistertitel bei uns und bei 'Grün-Weiß' Fulda erworben hatte) live genießen. Die Jubiläumsfeier bildete gleichzeitig einen entsprechenden Rahmen für die Ehrung einiger unserer Mitglieder. Auch ohne eine ordentliche Ehrenordnung in der Clubsatzung haben wir uns vorgenommen, in regelmäßigen Abständen den besonderen Einsatz und das Engagement der Sportler und Mitglieder für den Verein mit dem Verleihen der Goldenen Ehrennadel zu ehren. An diesem Tag hat Harald Trausch für 31 Jahre ununterbrochene Teilnahme an den Medenspielen diese Ehrennadel unseres Tennisclubs bekommen. Die Ehrung war für alle anderen Mitglieder ein Beispiel dafür, dass es selbstlose Sportler gibt, die sich vorbildlich im Verein einbringen.  
Eines ist dem Vorstand bei dem Fest aber sehr deutlich geworden: Die Sanitäranlagen müssen dringend überholt werden. Nachdem wir in dem Jahr bereits dreimal den Rohrreinigungsservice in Anspruch nehmen mussten, hofften wir innigst, dass unsere hohen Gäste aus politischen und kulturellen Kreisen nicht mit verstopften Toiletten konfrontiert werden würden. Dieser und andere Impulse mündeten in ein großes Umbauprojekt, das wir im Oktober 1991 in Angriff genommen hatten. Darauf gehe ich jedoch bei den nächsten Punkten noch ausführlicher ein. Die Feier verlief dann doch reibungslos in gemütlicher, lockerer Atmosphäre und blieb für alle eine schöne Erinnerung.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass die 40-Jahre-Jubiläumsfeier unser Gemeinschaftsgefühl neu aufgefrischt sowie für eine gewaltige Portion Mut und Motivation zum Weitermachen gesorgt hatte.


Neue Einteilung der Bezirke

Nachdem 1951 unser Verein gegründet worden war, wurde er in den übergeordneten Tennisbezirk Kassel eingegliedert. Aus der geographischen Lage Hünfelds in der südlichsten Ecke des Kasseler Bezirks resultierten für die Spieler zwangsläufig lange Fahrten bis nach Arolsen oder Eschwege, um Gruppen- und Kreisklassespiele auszutragen. Deswegen hatten wir schon lange einer Umgliederung der Bezirke in Hessen entgegengesehen, die von mehreren Vereinen aus dem Kreis Fulda angestrebt wurde. Dies hat sich im Jahre 1990 endlich bewahrheitet und wir gehörten fortan dem Bezirk Mittelhessen an. Schon ein Jahr später konnten wir die Vor- und Nachteile dieser Änderung am eigenen Leib erfahren. Positiv waren auf jeden Fall kürzere Anfahrtszeiten für die Mannschaften, weil die meisten Spiele im Fuldaer Raum stattfanden. Dadurch wurde auch der Jugendbereich entlastet. Vor allem mussten die Bambini nicht mehr nach den mittwochs nachmittags stattfindenden Spielen erst gegen 21.00 oder 22.00 Uhr nach Hause gehen. Was bei der Umstrukturierung verloren ging, waren die langjährigen Kontakte zu dem Kasseler Verein. Auch für mich selbst war es eine enorme Umstellung, die seit zwanzig Jahren gepflegten freundschaftlichen Beziehungen nach Kassel und Umgebung von heute auf morgen abzubrechen. Auch die Spieler mussten sich jetzt langsam an viele neue Gesichter bei den Medenspielen gewöhnen. Wir haben uns aber relativ schnell mit der neuen Situation abgefunden und ihre Vorzüge genutzt.

Gegenbesuch in Castiglione

Der Sommer 1991 war unter anderem von der Planung der Clubhauserweiterung, und der Winter von den anschließenden Bauarbeiten bestimmt. Bevor aber unsere ganze Energie und Konzentration durch die Baustelle absorbiert wurden, gönnten wir uns im September eine Reise nach Italien, nach Castiglione. Rund 20 Mitglieder hatten sich bereit erklärt, mit fünf Autos die Fahrt anzutreten, um mit unseren italienischen Freunden ein Turnier abzuhalten. Beide Mannschaften hielten sich tapfer und sorgten für eine spannende sportliche Atmosphäre. Das Turnier ging brüderlich unentschieden aus, aber beide Seiten hatten wirklich alle Register gezogen.
Wir wohnten dort in einer wunderschön am Gardasee gelegenen Hotelanlage von 'Wella' und verbrachten in Gastiglione fünf sonnige Tennistage. Nach den Spielen konnten wir zur Abwechslung in die Rolle der 'VIPs' schlüpfen und in einem Mercedes oder Maserati unserer italienischen Gastgeber von einem Empfang zum nächsten in die herrschaftlichen Anwesen mit Parks fahren. Wir wurden in Castiglione mit viel Herzlichkeit und Respekt empfangen. Ich kann mich noch erinnern, dass der Vorsitzende des italienischen Tennisclubs Stefano Finadri extra die ein wenig karge Tennisanlage durch einen Blumendienst schmücken lassen wollte. Und tatsächlich erschien am frühen Morgen ein mit Stauden, Palmen und Bäumchen beladener LKW. Die Anlage wurde zur Oase.
Ich bin überzeugt, dass es für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis war, solch eine ungezwungen freundschaftliche und offene Atmosphäre zu erleben.

Am Anfang war eine Gartenlaube ...

Dass eine Gartenlaube fünfzehn Jahre lang als Clubhaus dienen würde, hätten die Gründer unseres Vereins 1951 nicht gedacht. Dass das nächste, 1967 eingeweihte Clubhaus uns stolze fünfundzwanzig Jahre gute Dienste leisten würde, hat auch alle Erwartungen übertroffen. Die letzten Ereignisse beim Sommerfest und die wiederholte Inanspruchnahme des Rohrreinigungsservices ließen jedoch unseren Vorstand intensiver über eine Clubhauserweiterung nachdenken. Zwei zusätzliche Faktoren machten diesen Schritt notwendig: Die hohe Mitgliederzahl (über 500) sprengte die Kapazitäten der kleinen Umkleidekabinen und wir verfügten praktisch über keinen Küchenbereich im eigentlichen Sinne. In der kleinen, notdürftigen Kammer lagerten Getränke, so dass kein Platz mehr für sonstige Bewirtungstätigkeiten vorhanden war.
Nachdem wir alle Ideen und spontanen Visionen besprochen hatten, stand fest, dass die Erweiterungsmaßnahmen nur in Richtung der Straße ‚Im Haselgrund’ vorgenommen werden könnten, weil alle anderen Erweiterungen dem Gesamtbild der Anlage schaden würden. Zwei Architekten stellten dem Vorstand ihre Entwürfe vor: Charlie Möller und Werner Kramer. Die etwas futuristische Idee von Herrn Möller, die leider nur wenige zusätzliche Quadratmeter brachte, konnte unseren Vorstellungen nicht Rechnung tragen. Daraufhin nahmen wir Kontakt mit unserem Clubmitglied Werner Kramer auf, dem Hünfelder Architekten. Seine großzügige Planung, die er nach einer genauen Analyse der baulichen Möglichkeiten vor Ort und dem Anhören unserer Bedürfnisse konzipierte, fand unsere einstimmige Akzeptanz. Der Entwurf sah die Erweiterung des Clubhauses zur Straße ‚Im Haselgrund’ vor, eine Verlegung des Eingangs sowie eine großzügige Gestaltung der Küche und Vorratsräume. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 24. Oktober 1991 im Kolpinghaus einigten wir uns darauf, dass alle Arbeiten in einem Bauabschnitt, statt in vielen kleinen über mehrere Jahre verteilten Schritten, erfolgen sollen. Diese Lösung würde sicherlich Kosten sparen. Nachdem der Architekt Werner Kramer seine Pläne präsentiert hatte und alle offenen Fragen geklärt worden waren, wandten wir uns dem Kostenpunkt zu. Zur Finanzierung der Baumaßnahmen musste der Verein laut Kostenvoranschlag 325 000 DM aufbringen. Die vom Land und Kreis zur Verfügung gestellten Fördermittel beliefen sich auf 75 000 DM. Da wir auf keine finanziellen Rücklagen des Vereins zurückgreifen konnten, entschlossen wir uns zu einer Spendenaktion. Diese Methode hat der Vorstand im Jahre 1967 beim Bau des ersten Clubhauses erfolgreich ausprobiert. Allerdings kommt eine Spende etwa einem zweischneidigen Schwert gleich: Nicht jedes Mitglied ist verpflichtet einen Beitrag zu leisten, wie es bei einer Umlage der Fall ist, andererseits fällt eine Spende steuerrechtlich gesehen in die Kategorie 'abzugsfähig', was wiederum auf eine Umlage nicht zutrifft. Wir gingen dieses Risiko ein und konnten den Stand unserer 'Baukasse' nach der Aktion im Winter 1991 / 92 um 50 000 DM erhöhen.

Die Anlage sollte möglichst früh wieder in Betrieb genommen werden, zu Ostern oder im Mai 1992. Die Arbeiten gingen auch recht zügig voran. Wir mussten den Kostenrahmen stets im Auge behalten und gleichzeitig neue Einrichtungen mit möglichst viel Komfort realisieren. Das sind Wünsche, die sich klar widersprechen. Doch mit viel Eigeninitiative und Eigenleistung einer großen Zahl von Clubmitgliedern, denen an dieser Stelle ein ganz großer Dank gilt, ist es uns gelungen, eine Reihe zusätzlicher, praktischer Vorhaben zu realisieren: Eine nagelneue Kücheneinrichtung, ein neues Kühlhaus sowie eine Neugestaltung der Außenanlage.  

Jede Baustelle scheint eigene Wege zu gehen und will sich wie ein aufsässiges Kind dem Bauleiter nicht ganz unterordnen. Manchmal kommt es dann zu kleinen Pannen oder Verzögerungen. Oder es zeigen sich auf einmal neue Perspektiven, so dass das Objekt plötzlich eine ungeplante Optimierung erfährt. Durch so einen Zufall entstand auch unsere Tribünenanlage. Die Baumaschinen mussten entlang des Hangs eine Baustraße ebnen und wir haben diese unverhofft entstandene Fläche gleich so belassen und zu einer kleinen Tribüne ausgebaut. Auf diese fast kostenlose Weise bekamen die Zuschauer einen wunderschönen Blick von dem Hang aus auf die Plätze 3 und 4.
Der Bau wurde planmäßig im Frühjahr 1992 abgeschlossen und die Einweihung im Juli haben alle Clubmitglieder ausgiebig gefeiert. Darüber aber ein paar Worte im nächsten Kapitel.

DAS JAHR 1992 - NACH DEM SPIEL IST VOR DEM SPIEL

Aus dieser Perspektive sehen Ereignisse, die man früher als Misserfolge eingestuft hatte, meist überhaupt nicht mehr so schlimm aus und man erkennt, dass sie eher ein notwendiger Fall vor dem Aufstehen waren. Das trifft auch teilweise auf das Jahr 1992 zu, das ich im Folgenden schildere. Es war ein Jahr, in dem der Herrentennis im 'Blau-Weiß Hünfeld' leider den absoluten Tiefpunkt erreichte und der sportliche Bereich weiter im Argen lag. Es war ein Jahr, in dem unser damaliger Jugendwart Rainer Lübeck sein Amt plötzlich niederlegte und die Jugendarbeit eine Zeit lang kommissarisch vom Vorstand geführt werden musste.
Es war aber auch das Jahr, in dem das neue Clubhaus eingeweiht wurde, in dem wir erstmals Überschüsse aus der Kantinenbewirtschaftung verbuchen konnten, neue Perspektiven für die Jugendarbeit geschaffen haben und vor allem war es ein Jahr, in dem wir junge Talente korrekt erkannt und gefördert haben. Es ist uns gelungen, den Grundstein für zukünftige Erfolge zu legen.

Mitgliederversammlung im Januar 1992

Bei den Vorstandswahlen trat Otto Helmer nicht mehr als zweiter Vorsitzender an. Dieses Amt übernahm Siegrid Müller-Rossbach. Die Aufgaben von Christina Taubert-Lübeck, unserer bisherigen Kulturwartin, übernahm in diesem Jahr Kirsten Schmitt, die einstimmig gewählt wurde und sich viele Jahre im Vorstand sehr erfolgreich engagierte. Seit 1982 betreute Edda Grund das Amt der Schatzmeisterin und legte es in diesem Jahr nieder. Für ihr langjähriges Mitwirken im Vorstand bekam sie die goldene Ehrennadel des Vereins überreicht. Zum neuen Kassenwart wurde Helmut Kramer einstimmig gewählt. In dieser Zusammensetzung starteten wir in die neue Saison.
Im Zusammenhang mit den durch die Cluberweiterung entstandenen Kosten, an denen sich selbstverständlich auch die Clubmitglieder beteiligt hatten, beschlossen wir während der Versammlung, die Aufnahmegebühren für Einzelpersonen auf 500 DM und für Ehepaare auf 700 DM zu erhöhen. Heute, im Jahre 2001, wenn ich diese Zeilen schreibe, werden überhaupt keine Aufnahmegebühren verlangt, weil sich der Trend zum Tennisspielen im Verein diametral gewandelt hat.

Einweihung des Clubhauses

Das Clubhaus wurde letztendlich rechtzeitig im Frühjahr 1992 fertig und wir konnten tatsächlich ungehindert den Spielbetrieb aufnehmen, was alle Club- und Vorstandsmitglieder mit Erleichterung begrüßten. Heute, nachdem die Anlage in ihrer neuen Form seit zehn Jahren genutzt wird, muss ich nicht ohne Stolz konstatieren, dass sich die Planung von Werner Kramer hundertprozentig bewährt hat und alle Lösungen von großem praktischen Wert für unseren Vereinsalltag sind.
Zu der Einweihungsfeier trafen auch unsere italienischen Freunde aus Castiglione ein und die Mannschaften konnten ihre Kräfte in einem großartigen Freundschaftsturnier messen. In den Abendstunden ertönten dann auf der Anlage die dynamischen Rhythmen der Musik von den 'Colorados' unter der Leitung von Joachim Hess, es gab rege Gespräche und alle ließen ihre Seelen baumeln. An diesem Abend mussten wir leider auch erfahren, dass die Musik und gesellige Festatmosphäre nicht von allen Hünfeldern in der Nachbarschaft der Tennisanlage als Ohrenschmaus empfunden wurde. Nachdem die Polizei zum dritten Mal gegen Mitternacht aufgetaucht war, waren wir gezwungen, die Stromleitungen zu kappen und die restlichen Nachtstunden ruhiger ausklingen zu lassen.
Später stellte sich heraus, dass es unser letztes Treffen mit den Freunden aus Italien war, da ihr Tennisclub praktisch aufgelöst und zu einer kommerziellen Anlage umfunktioniert wurde. Dies hatte natürlich zur Folge, dass das Vereinsleben und der innige Kontakt zwischen den Spielern nicht mehr gepflegt wurde.
Die vielen schönen Momente und gemeinsamen Erlebnisse in Castiglione und Hünfeld haben unser Clubleben auf jeden Fall bereichert und vor allem bei jedem einzelnen Mitglied einen offenen, toleranten und freundschaftlichen Umgang mit seinem Gegenspieler gefördert.

Nach dem Eingang sämtlicher Rechnungen für die durchgeführten Baumaßnahmen mussten wir im Herbst 1992 ein Darlehen in Höhe von 250 000 DM in Anspruch nehmen. Die Mehrkosten kamen nicht dadurch zustande, dass die Baumaterialien oder Dienstleistungen teurer geworden wären, sondern dadurch, dass die zusätzlichen Investitionen in Rechnung gestellt wurden. Investitionen wie zum Beispiel: Theke, Kühlhaus, Einrichtungsgegenstände oder Außenanlagen – Projekte, die für spätere Jahre geplant waren. Aus heutiger Sicht muss ich aber sagen, es war damals eine geradezu weitsichtige Entscheidung, alles in einem Bauvorhaben zu realisieren. Sonst hätten wir das bis heute wahrscheinlich nicht erreicht. Das Einzige, was nicht mehr in den Investitionsplan aufgenommen wurde, war eine neue Bestuhlung. Und heute, fast zehn Jahre nach der Clubhauseinweihung sitzen wir immer noch auf den gleichen Stühlen, an den gleichen Tischen und ich kann leider nicht absehen, wann wir diese alten Möbelstücke zum Sperrmüll abgeben können.

Zusammenstellung der Kosten vor dem Baubeginn:

Bezeichnung Kosten Finanzielle Mittel
Kostenvoranschlag 325 000,00 DM
zusätzliche Investitionen 35 000,00 DM
Fördermittel von Kreis und Land 75 000,00 DM
Spenden 50 000,00 DM
Gesamt 360 000,00 DM 125 000,00 DM

Zusammenstellung der Kosten nach Abschluss der Bauarbeiten:

Bezeichnung Kosten Finanzielle Mittel
Endbetrag für die Bauarbeiten 344 000,00 DM
Zusätzliche Investitionen   50 000,00 DM
Fördermittel von Kreis und Land 75 000,00 DM
Spenden 50 000,00 DM
MwSt.-Ersparnis durch Einstufung des Kantinenumbaus als Investitionskosten   50 000,00  DM
Darlehen 250 000,00 DM
Gesamt 394 000,00 DM 425 000,00 DM

Im neuen Clubhaus starteten wir auch einen erneuten Versuch, die Clubhausbewirtschaftung auf Vordermann zu bringen und Gewinne zu erzielen. In den letzten Jahren war der Thekendienst eher ein notwendiges Übel, da die Abrechnung der ohnehin fehlenden Thekenumsätze relativ im Dunkeln lag. Die Gründe dafür wurden zwar gesucht, aber leider nicht leicht gefunden. Deswegen beschlossen wir, eine Dame für die Bewirtschaftung über das ganze Jahr fest zu engagieren – Frau Kredig. Dadurch, dass die Kantine nun Erlöse brachte, konnte das Gastronomieprojekt als Kleinbetrieb eingestuft werden und zusätzliche Ersparnisse an Mehrwertsteuer bringen (z.B. durch den Abzug der Investitionskosten für den Kantinenumbau von der Vorsteuer).

Heute freue ich mich rückblickend, dass wir damals doch das nötige Maß an Mut und Durchhaltevermögen aufgebracht hatten, um den großzügigen Umbau durchzuführen. Unser Clubhaus, so wie es sich jetzt präsentiert, ist sicherlich eines der schönsten und praktikabelsten, die weit und breit zu finden sind.

Organisatorisches in Sachen Sport

Im April 1992 hat Rainer Lübeck, unser damaliger Jugendwart, sein Amt plötzlich niedergelegt. Da er das gesamte Jugendtraining und den gesamten Einkauf abwickelte, sich um die Erlöse des Clubhauses kümmerte und eigentlich Dreh- und Angelpunkt des Vereinslebens war, stellte sich für uns die Situation zu Beginn der Saison nicht zu rosig dar. Wir standen plötzlich ohne denjenigen da, auf den sich vorher so viel konzentriert hatte und der Anlaufstation für viele Vereinsmitglieder war. In der Praxis hatte Rainer auch das Amt des Platzwartes übernommen, weil er sehr oft auf der Anlage präsent war und es sich demzufolge ergab, dass er gleichzeitig ein Auge auf die Ordnung der Anlage hatte. Dieser Bereich war jetzt neu zu organisieren. Das Jugendtraining führten wir also vorerst kommissarisch im Vorstand alle zusammen weiter und hofften auf eine baldige Lösung. Die bot sich auch bald an und die Jugendarbeit hat kaum Schaden genommen. Das Jugendtraining übernahm nämlich lückenlos die Tennisschule STS, in der unser Mitglied Oliver Habersack als Trainer arbeitete. Diese Lösung erwies sich als sehr positiv und unsere Zusammenarbeit dauerte noch bis 1994.
Die Aufgaben des Platzwartes übernahm derweil unser Sportwart Heinz Proksch und ich muss sagen, er hat es vorbildlich organisiert und auch andere in die Platzpflege mit einbezogen.

Im sportlichen Bereich standen unsere Mannschaften vor interessanten Änderungen, die ja notwendig geworden waren, weil der Herrentennis, wie ich bereits in den ersten Zeilen dieses Kapitels erwähnte, den Tiefflug nicht überwinden konnte. Nachdem die Leistungsträger der ersten Mannschaft wie Bernd Kircher und Klaus Ohlendorf zu den Jungsenioren gewechselt waren, war die Mannschaft relativ geschwächt und ist leider mit nur einem Sieg aus der Bezirksklasse A in die Bezirksklasse B abgestiegen. Aber bereits in der nächsten Saison und in den folgenden Jahren trat eine positive Verschmelzung und gegenseitige Ergänzung unter den Mannschaftsmitgliedern ein, so dass sie uns viele bedeutende Erfolge bescherte. Unterdessen verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf die Jungseniorenmannschaft, die 1992 den Aufstieg aus der Bezirksklasse A in die Gruppenliga schaffte. In der Zusammensetzung: Thomas Sedelmayr, Klaus Ohlendorf, Bernd Kircher, Hans Kraus und Ali Rehberg als Leistungsträger waren wieder mal nach vielen Jahren Repräsentanten von 'Blau-Weiß Hünfeld' auf der Landesebene vertreten.
Die Junioren behaupteten sich einigermaßen in der Bezirksklasse A, aber im Knabenbereich stachen schon junge Talente hervor, die unserem Tennisclub in den kommenden Jahren einen kontinuierlichen Höhenflug garantieren sollten. Das waren die damals 13- und 14-jährigen: Lutz Baumann, Lars Künne, Joachim Weber, Nils Künne, Tobias Schäg. Als Vizemeister im Bezirk erbrachte diese Knabenmannschaft im Jahr 1992 eine außergewöhnliche Leistung.

DAS JAHR 1993

In dem Jahr konzentrierten sich unsere Kräfte auf die Förderung des Leistungstennis. Einen guten Einstieg brachte die bereits während der Mitgliederversammlung im Januar getroffene Wahl des neuen Jugendwarts: Eberhard Weber hatte ab jetzt das Amt inne und seine Arbeit erwies sich als richtungsweisend für die nachfolgenden Jahre. Sicherlich beflügelten ihn dabei auch die Erfolge seiner Söhne Joachim und Andreas, aber es war vor allem sein unglaublicher Einsatz, der zu dieser positiven Entwicklung des Jugend- und später Erwachsenentennis in Hünfeld beigetragen hatte. In sportlicher Hinsicht verlief alles in die richtige Richtung. Bambini und Jugendliche blieben hartnäckig in der Zielverfolgung und konnten ihre Positionen in den Klassen festigen. Darüber hinaus konnten wir endlich zwei Aufstiege verzeichnen: Die erste Jungseniorenmannschaft stieg in die Verbandsliga auf (seit 1975 hatte 'Blau-Weiß Hünfeld' keine Repräsentanten auf dieser Wettbewerbsstufe mehr) und die erste Herrenmannschaft stieg mit Hilfe der Jugendlichen aus der Bezirksklasse B in die Bezirksklasse A auf.

In dieser Zeit erreichte unser Tennisclub die höchste Mitgliederzahl in seiner Geschichte: 575 Mitglieder waren es in der Spitze! Im darauffolgenden Jahr reduzierte sich allerdings die Anzahl auf 545 und ging dann auch in den folgenden Jahren kontinuierlich nach unten. Trotzdem lag der Mitgliederschwund immer im Rahmen (10 bis 20 Personen jährlich), so dass wir durch eine erfolgreiche Akquise nie einen dramatischen Rückgang der Mitglieder erlebten. Dadurch konnten natürlich auch die Beiträge relativ stabil gehalten werden.

Förderkreis

Die neu entdeckten Talente und die hoffnungsvoll anmutende Entwicklung brachte uns auch neue Ideen und einen Motivationsschub. So riefen wir einen Förderkreis ins Leben, der von mehreren mittelständischen Unternehmen sowie einigen engagierten Clubmitgliedern mit jeweils 500 DM finanziell unterstützt wurde. Ohne das Clubbudget zu belasten, war es uns somit gelungen, optimale Trainingsmöglichkeiten für Tennisspieler mit Leistungssportambitionen zu schaffen, sie gelegentlich in ein Trainingscamp zu schicken oder einheitliche Trikots zu besorgen.
Der Förderkreis erfüllte eine motivierende Funktion und bot Hilfestellungen für die leistungsbereiten jugendlichen und erwachsenen Spieler in den verschiedensten Situationen. Viele Jahre lang hat diese Förderungsart Schritt für Schritt die Erfolge der Mannschaften unterstützt.

Abschied von Otto Helmer

Im Januar 1993 mussten wir Abschied von unserem langjährigen Zweiten Vorsitzenden Otto Helmer nehmen. Seine Person war seit der Gründung des Tennisclubs 1951 bis zu seinem Tod in diesem Jahr ein Bestandteil der Vereinsgeschichte von großer Bedeutung gewesen. Otto Helmer vereinte in sich die in seinem Amt so wichtige Fähigkeit, intern als Zweiter Vorsitzender und extern als Verbindungsglied zwischen dem Club und der Kommune erfolgreich zu agieren. Er war immer bei allen Problemen lösungsorientiert und hilfsbereit. Dank ihm bekamen wir auch immer wieder die nötige ideelle und finanzielle Unterstützung von Seiten der Stadt für unsere unterschiedlichen Projekte. Er war auch Mitinitiator der Clubchronik. Als Otto Helmer 1991 sein Amt niederlegte, überschütteten ihn förmlich alle mit Danksagungen für diese nichtalltägliche und über so viele Jahre andauernde Hingabe an den TC 'Blau-Weiß Hünfeld'. Selbstverständlich wurde ihm auch als ein kleines Zeichen unseren Respekts die goldene Ehrennadel verliehen.

DAS JAHR 1994

Änderungen im Vorstand gab es auch in diesem Jahr, und zwar schied der langjährige Schriftführer Hermann Holzke aus dem Amt aus. Für sein 14-jähriges Engagement wurde er mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Siegrid Müller-Rossbach hat dagegen als Zweite Vorsitzende zwei Jahre auf ihrem Posten ausgeharrt. Sie wurde in dem Jahr durch Thomas Latsch ersetzt, und die Finanzen betreute Thomas Sedelmayr an Stelle von Helmut Kramer.

Wie ich bereits auf den vorangehenden Seiten erwähnt hatte, übernahm in den Jahren von 1992 bis 1994 die STS Tennisschule das Jugendtraining. Leider konnten uns die STS-Leiter dann im Sommer 1995 keinen adäquaten Trainer mehr zur Verfügung stellen. Es war für unsere Pläne aber sehr wichtig, immer mit qualifizierten Trainern zu arbeiten und nicht in alte Zeiten zurückzufallen, in denen auch engagierte, aber unprofessionelle Trainer diese wichtigen Aufgaben übernommen hatten. Für eine Übergangsphase bis zum Oktober 1995 konnten wir zwei engagierte B-Trainer aus unseren Reihen gewinnen: Andi Kieslich und Oliver Habersack.

Einige Bemerkungen zum Clubleben

In der Mitgliederversammlung im Januar wagte der Vorstand eine Neuerung in Bezug auf die Gastronomie im Clubhaus. Die vergangenen zwei Jahre hatten sich um die Clubhausbewirtschaftung zwei Damen gekümmert (Frau Kredig und Frau Geppert), die ihre Aufgabe mit sehr viel Engagement gemeistert hatten. Meiner Ansicht nach war das die optimale Lösung, weil es für das Vereinsleben förderlich und vor allem für das Wohlbefinden der nach einem harten Training erschöpften Spieler positiv und günstig war, Getränke sowie kleine Gerichte angeboten zu bekommen. Als dann der kleine Gastronomiebetrieb durch mangelnde Umsätze und mangelnde Unterstützung seitens der Clubmitglieder unprofitabel wurde, führten wir eine Verzehrkarte im Wert von 30 DM ein. Jedes Mitglied sollte sie am Anfang der Saison erwerben und im Laufe der Saison für Getränke verwerten. Und merkwürdigerweise trafen wir mit dieser Idee ins Schwarze! Bis heute ist diese Verzehrkarte permanent im 'Clubumlauf' und wurde zur Selbstverständlichkeit unter den Clubmitgliedern.

Eine andere Idee, diesmal eine künstlerische, verwirklichte damals Jürgen Wagner, eines unserer Clubmitglieder. Er war ein 'lustiger Vogel' mit einem spezifischen Sinn für Humor. Alle hatten ihn gern, und er wurde irgendwann auf den Spitznamen 'Rembrandt' getauft. Zwar schuf er in seinem 'Atelier' keine kunstgeschichtlich bedeutenden Ölgemälde, was man vielleicht aufgrund der Namensparallele mit dem Barockkünstler Rembrandt vermuten könnte, aber er erwies sich als ein hervorragender Gestalter eines Club-T-Shirts. Für unsere bescheidenen Tennisclubverhältnisse eine ziemlich beachtliche Leistung! Das von ihm entworfene Motiv wurde in einer Auflage von 300 Stück gedruckt und war ein Riesenrenner unter den Clubmitgliedern. Es wäre eigentlich wieder mal an der Zeit, die T-Shirts neu aufzulegen.

Im Bereich 'interne Kommunikation' erfuhr unser Verein in dem Jahr auch eine Bereicherung, und zwar wurde erstmals eine Clubzeitung gegründet. Sie stellte ein praktisches und optisch ansprechendes Instrument zur Darstellung der Mannschaften und Mannschaftsführer sowie zur Vermittlung von Informationen über die vergangene und neue Saison dar. Die Leser fanden die Termine, Kommentare, Auswertungen und farbige Bebilderung recht unterhaltsam und nützlich. Auch genügend Werbepartner zur Mitfinanzierung konnten wir für unsere Idee gewinnen. Leider ist das Heft lediglich 1994 und 1995 erschienen, weil die Redaktion doch viel Zeit in Anspruch nahm und es sich nur wenige Freiwillige für diese journalistische Aufgabe gemeldet hatten.

Abschließend zum Jahr 1994 möchte ich noch erwähnen, dass sich unserem Team Smrei Baschisada aus Kabul (Afghanistan) angeschlossen und die Pflege der Clubanlage übernommen hatte. Er hat sich langsam eingearbeitet, in die Clubgesellschaft integriert, Freunde gewonnen und ist wirklich ein engagierter und zuverlässiger Platzwart geworden.


DAS JAHR 1995

Das fünfte Jahr meiner Tätigkeit als Vorsitzender war angebrochen, und ungewollt kommt man bei diesem winzigen Jubiläum in Versuchung, ein Resümee zu ziehen oder sich wenigstens Klarheit über die bisherigen Fortschritte und Misserfolge zu verschaffen sowie Prioritäten für die Zukunft festzulegen.
Die Gegenüberstellung des erreichten Status quo mit meinen 1990 gefassten Zielen fällt positiv aus. Unsere Mannschaften haben im Leistungssportbereich einen richtigen Kurs nach oben eingeschlagen und wir waren wie geplant auf der Landesebene vertreten. Auch in diesem Jahr sollten weitere durchschlagende Erfolge auf der Bezirks- und Kreisebene nicht ausbleiben. Die optischen, sanitären und räumlichen Mängel des alten Clubhauses sind durch einen großzügigen Anbau und großflächige Erneuerungen mehr als bloß beseitigt worden: Die Clubmitglieder und Gäste konnten endlich eine komfortable Anlage mit neuen Räumlichkeiten genießen.

Was die Zukunft anbelangt, war es meiner Ansicht nach unabdingbar, sich noch konsequenter und intensiver der Jugendarbeit zu widmen und einen festen Clubtrainer zu engagieren. Diskussionen über die allgemeinen Hauptziele eines Tennisvereins, über den Sinn und Unsinn der Förderung des Leistungssports wurden immer wieder im Vorstand und auch unter den Mitgliedern geführt. Ein heftiger Meinungsaustausch entfachte erneut, als das Ehepaar Taubert im Sommer 1995 verlauten ließ, dass die sich seit fast 25 Jahren in ihrem Besitz befindliche Tennishalle endgültig zum Verkauf stünde. Plötzlich zeichnete sich eine traurige Perspektive ohne Trainingsmöglichkeit im Winter ab und unsere systematische Jugendarbeit schien bedroht.

Keine Tennishalle? Kein Wintertraining?

Andererseits war dies für den Verein eine unglaubliche Chance in den Besitz einer eigenen Tennishalle zu kommen. Die uns von dem Ehepaar Taubert vorgelegte Kostenkalkulation wurde im Vorstand eingehend diskutiert. Die Halle sollte 600 000 DM kosten und der Preis war eigentlich um 150 000 DM niedriger als wir geschätzt hatten. Als uns die Stadt Hünfeld weitere 50 000 DM Zuschuss in Aussicht gestellt hatte, war ich als Präsident fest entschlossen, die Vorstandsmitglieder um jeden Preis für den Hallenkauf zu gewinnen. Diesen Plan, eine eigene Clubhalle zu besitzen, wollte schon mein Vater in den 1970er Jahren realisieren, aber durch die gesamte Entwicklung des Bürgerparks im Haselgrund war es völlig unmöglich geworden, jemals eine Baugenehmigung in der unmittelbaren Nähe der Anlage zu bekommen. Aus diesem Grund bot sich in meinen Augen die einmalige Möglichkeit, eine eigene Tennishalle zu erwerben. Wir haben alle Argumente auf die Waagschale gelegt und lange diskutiert. Leider konnten wir keinen Konsens finden und in einer Abstimmung hat sich die Mehrheit schließlich gegen den Kauf entschieden. Die Aussicht, im Winter nicht trainieren zu können, brachte unsere Jugendarbeit schwer ins Wanken und gefährdete die Kontinuität der Förderung unserer begabtesten Spieler. Außerdem vertrat ich die Meinung, dass das Betreiben der Halle für den Club durchaus finanzielle Vorteile bringen könnte und die Kosten sich schnell amortisieren würden. So entschloss ich mich als Privatperson, die Halle zu übernehmen. Die Trainingsmöglichkeit blieb erhalten und ich habe bis heute die Hoffnung nicht verloren, dass die Halle irgendwann doch noch in den Clubbesitz übergehen wird.

Neuer Clubtrainer

In der Spielsaison 1995 erzielten die Jugendlichen einen spektakulären Durchbruch auf der Bezirksebene. Louis Geser, Tobias Schäg, Joachim Weber, Andreas Weber wurden alle Kreismeister in ihrer Klasse und Tobias und Andreas sogar Bezirksmeister. Diese Erfolge beflügelten umso mehr unser Vorhaben, einen Clubtrainer zu engagieren. Dank der zwar losen, aber bald schon belebten Kontakte zu dem ehemaligen Trainer der STS Tennisschule Nenad Mioç (von uns später genannt), konnten mit ihm im Laufe des Jahres Gespräche über Konditionen geführt werden, die Ende September ihren positiven Abschluss fanden. Die Zusammenarbeit mit Neno seit Oktober 1995 kann ich ohne Bedenken als richtungsweisend für die Folgejahre und als eine Zäsur in unserer Jugendarbeit bezeichnen. Zurückzuführen ist das auf seine ausgeprägten Trainerkompetenzen, seine starke und gleichzeitig partnerschaftlich orientierte Persönlichkeit und sein unglaubliches Engagement auch als Mannschaftsmitglied. Es war nicht zu übersehen, wie motivierend sich seine kämpferische Natur auf andere Spieler auswirkte und wie die Stimmigkeit zwischen den Werten, die er als Trainer vermittelte und dem, was er dann als Mannschaftsspieler in der Praxis umsetzte, ihn zum absoluten Vorbild machten.


Jugendgeist, Leistung, Kameradschaft - Erinnerung an Dr. Ohlendorf

Die Tatsache, dass Neno für seine Mannschaftseinsätze nie eine Vergütung verlangt hatte, was in der Gruppen- und Verbandsligaspielstärke durchaus üblich war und sich im Bereich von 50 oder 60 Tausend DM bei anderen Tennisvereinen platzierte, lässt mich an dieser Stelle eine Beobachtung zum Ausdruck bringen. Es ist uns nämlich gelungen, mit geringem finanziellen Aufwand über viele Jahre ein schlagkräftiges Team zusammenzuhalten. Alle finanziellen Aufwendungen beliefen sich jährlich auf höchstens 10 000 DM und kamen von privater Seite und von Fördervereinen. Dies resultierte meines Erachtens aus dem gemeinsamen Engagement und einer selbstlosen Einstellung vieler Vereinsmitglieder. Trotzdem stellte sich immer wieder die Frage nach dem Sinn der Bemühungen, wenn die Resonanz von Seiten des Clubs bei den Medenspielen viel zu wünschen übrig ließ, obgleich sich die Matches auf einem hochklassigen Niveau bewegten und den Zuschauern ein zum Fernsehtennis unvergleichbar spannenderes Live-Erlebnis sicherten. Die Frage nach dem Sinn oder Unsinn der Förderung des Leistungssports rumorte in den Vorstands- und Mitgliederköpfen bereits zu den Zeiten, als mein Vater das Präsidentenamt inne hatte. Die Antwort auf diese Fragestellung soll sich aber auf die Rolle der ersten Mannschaft in einem Verein konzentrieren. Unter diesem Gesichtspunkt wird nämlich ihre Vorbildfunktion deutlich. Die erste Mannschaft fungiert für die jugendlichen Spieler als Ansporn und lebender Beweis dafür, dass es sich lohnt, schweißtreibende Trainings zu besuchen, anstatt vor der 'Röhre zu hocken', dass es tatsächlich möglich ist, im Verein als 'Tennisbanause' anzufangen und sich durch harte Arbeit und das nötige Quäntchen Glück zum Tennis-Profi auf der nationalen Arena zu entwickeln, ja Europa- oder Weltmeister zu werden! Mag es eine idealistische Einstellung sein, aber bereits ein einziger junger Mensch, der diesen Ansporn wahrnimmt, seine Leistungsfähigkeit und seinen Charakter stärkt, ist es wert, in die erste Mannschaft immer wieder Energie und im begrenzten Maße Geld zu investieren. Diese Ansicht erinnert mich an meinen Vater, dessen ich an dieser Stelle gedenken möchte, weil er am 20. Januar 1996 im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Die Art, wie er sich zeit seines Lebens für die Förderung der Jugend und der Leistung im Sport, für die Kameradschaft und Fairness einsetzte, war für meine Vorgehensweise und auch für meine Lebensentscheidungen maßgebend. Als Vorsitzender war er für mich das absolute Vorbild in dieser Funktion, weil er es vermochte, mit viel Energie, aber auch Freude und Motivation den Club zu führen, ohne die übergeordneten Hauptziele aus den Augen zu verlieren. Blickt man nun auf die 50 Jahre der Clubgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen zurück, lässt sich objektiv feststellen, dass es ihm sehr gut gelungen ist.
In all den Jahren waren die Jugendlichen mit den sich wandelnden äußeren Einflüssen, Trends und vor allem der Computerisierung des Alltags konfrontiert. Der Tennisplatz verlor langsam seinen Status 'der absoluten Heimat im Sommer' und an seine Stelle traten, um den Prozess im Zeitraffer darzustellen, Play Station, Chatten im Internet und gemeinsames Chillen in den Clubs. Angesichts der sich rasant ändernden und auch sicherlich die Bildung und Entwicklung der jungen Menschen positiv beeinflussenden Außenfaktoren soll ein Sportverein mit seiner Jugendarbeit eine Konstante in der Gesellschaft bleiben, die durch Sport kontinuierlich zur Erziehung und Charakterförderung beiträgt.

Als sich die größten sportlichen Erfolge im Tennisclub Anfang der 1990er Jahre einstellten, war die Krankheit meines Vaters bereits weit fortgeschritten, so dass er sich nicht mehr mit vollem Herzen daran erfreuen konnte. In dieser Zeit aber nahm all das Gestalt an, wofür er immer in seiner Vorstandsarbeit gekämpft oder gearbeitet hatte. Nämlich, dass sein TC 'Blau-Weiß Hünfeld' im sportlichen Bereich, vor allem in der Jugendförderung in der Breite wie in der Spitze, in Hessen oder zumindest im Bezirk eine Vorreiterrolle spielen sollte. Diese Position nimmt unser Tennisclub im Moment ein. Auch wenn mein Vater nicht mehr direkt mit dem Vereinsleben und der Vorstandsarbeit verbunden ist, so denke ich doch, dass sein Geist, den er dem Verein in den ersten 30 Jahren seines Bestehens eingepflanzt hatte, immer noch weiter besteht und auch für die heutige Vereinsarbeit absolut richtungsweisend ist.

DAS JAHR 1996

Es ist ein recht gutes Gefühl zu sehen, wie jahrelange Arbeit und Jugendtraining reiche Früchte tragen: Turniersiege, Aufstiege und hervorragendes Mannschaftstennis. Es ist ein gutes Gefühl zu sehen, wie eine Kette von tausenden bedeutungsvollen oder scheinbar bedeutungslosen, alltäglichen Entscheidungen im Endeffekt doch zum Erreichen des Ziels beiträgt. Dieses Gefühl samt einer sehr spannenden Saison brachte uns das erfolgreiche Jahr 1996. TC 'Blau-Weiß Hünfeld' knüpfte jedoch nicht nur an alte Erfolge im Mannschaftsbereich an, sondern ließ noch eine andere Tradition der Hünfelder auferstehen, und zwar im Turnierbereich. Dazu ein paar Worte im Folgenden.

Was die Vorstandszusammensetzung betrifft, so hat Helmut Kramer seinen Posten als Kassenwart aufgegeben, und Thomas Sedelmayr übernahm diese Aufgabe. Auch unsere engagierte Kulturwartin Kerstin Kaminski-Schmitt musste aufgrund ihres Umzugs in ein anderes Bundesland ihr Amt abgeben. Diesen Bereich betreut bis heute (2001) mit viel Elan Kerstin Jahn.

Sportliche Erfolge

Die Gründe für die Erfolge in dem Jahr lagen auf der Hand: Erstens waren sie das Ergebnis der konsequenten Arbeit der vergangenen Jahre, zweitens war der Einsatz des neuen Trainers Nenad Mioç als Triebfeder und gleichzeitig als Verstärkung der ersten Mannschaft nicht gerade von geringer Bedeutung. Die Mitglieder dieser Mannschaft waren auch für die folgenden Jahre die Garanten für hervorragendes Mannschaftstennis. Diese Mannschaft war 1996 repräsentiert von: Nenad Mioç, Tobias Schäg, Louis Geser, Lars Künne, Lutz Baumann, Joachim Weber und Nils Künne. Es war eine homogene, gut eingespielte Gruppe, in der eine positive Konkurrenz herrschte. Jeder Spieler wusste seine besonderen Stärken erfolgreich einzusetzen und zum Vorteil der Mannschaft auszuspielen. So war beispielsweise Tobias Schäg ein perfekter Match-Spieler, der eine Partie als Herausforderung genoss und immer seine volle Leistung brachte. Die Brüder Künne waren eher Bewegungstalente, und es war sehr bedauerlich, dass sie sich mit 17 Jahren entschieden, zum Fußball zu wechseln.
Das Derby bei 'Grün-Weiß Fulda' zum Abschluss der Saison wurde zum Schauplatz, den unsere Mannschaft souverän beherrschte und wo sie mit dem Ergebnis 8:1 zum absoluten Sieger wurde. Im Jungseniorenbereich konnten wir ebenfalls einen spektakulären Aufstieg, und zwar in die Oberliga, feiern. Diese Spielklasse war dem TC 'Blau-Weiß' bis dato immer verschlossen gewesen. Deswegen war das große Spiel gegen den KTC Weilhelmshöhe am Pfingstmontag 1996 insofern ein denkwürdiges Ereignis, dass wir bereits nach den Einzeln 5:1 in Führung lagen und uns der Sieg nicht mehr zu nehmen war. Zu dieser Mannschaft gehörten: Bernd Kircher, Hans Kraus, Gerd Heusel, Thomas Sedelmayr, Ali Rehberg, Martin Schreiber, Klaus Ohlendorf.
Auch für die Jugendmannschaft lag die Latte nicht zu hoch und sie schaffte den Aufstieg in die Gruppenliga, was bestimmt 20 Jahre lang unerreichbar erschienen war. Abschließend zu unseren sportlichen Erfolgen in diesem Jahr möchte ich noch, nicht ohne Stolz, festhalten, dass Tobias Schäg als erster Spieler aus unserem Tennisclub einen Platz auf der deutschen Herrenrangliste erringen konnte.

Da die Mannschaften parallel von Sieg zu Sieg eilten und alle Vereinsmitglieder fest davon überzeugt waren, dass die blau-weiße Walze aus Hünfeld nicht mehr zu stoppen sei, wurde diese Zeit auch gebührend in ausgelassenen Runden gefeiert. Wir haben die Erfolge dieser Saison in vollen Zügen genossen.


'Offis Cup' – Ranglistenturnier in Hünfeld

Bereits in den 1960er und 1970er Jahren war unser Tennisclub der Ausrichter des großen Jugendturniers, der Nordhessischen Bezirksmeisterschaften. Durch eine glückliche Fügung und ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren gelang es uns, 1996 erneut ein bedeutendes Turnier in Hünfeld ins Leben zu rufen. Eines unserer Clubmitglieder, Wigbert Biedenbach, war beruflich als Geschäftsführer mit der Firma Offis aus der Zeitarbeitsbranche verbunden und teilte unseren Enthusiasmus, in Hünfeld ein deutsches Ranglistenturnier zu etablieren. Nach einigen konstruktiven Gesprächen über finanzielle und organisatorische Details einigten wir uns auf die offizielle Bezeichnung 'Offis Cup'. Parallel dazu setzte Eberhard Weber alle Hebel in Bewegung, um die Formalitäten im Hessischen Tennisverein rechtzeitig zu erledigen und noch in diesem Jahr in den Turnierkalender aufgenommen zu werden. Als sehr hilfreich erwiesen sich seine Kontakte zum Bezirksjugendwart Karl Vensky, der anschließend auch die Turnierleitung und die Ausschreibung übernahm. 'Offis Cup' wurde tatsächlich zum ersten Mal 1996 ausgetragen. Bei der Konzipierung war unser Leitgedanke, ein Turnier für Jugendliche zu veranstalten, bei dem nicht nur Tennis, sondern auch das Zusammensein, ein erinnerungsreicher Aufenthalt in Hünfeld und Spaß am Sport im Vordergrund stehen sollten. Wir wollten, dass sich die Turnierteilnehmer vom ersten Tag an in Hünfeld wohl fühlen und zwar sowohl die bis zur letzten Runde am Ball bleibenden Gewinner als auch die eventuell schon in den ersten Gefechten Ausgeschiedenen. Für diese Rundumatmosphäre sorgte ein abwechslungsreiches Beiprogramm mit einem Luftballonwettbewerb, einem kleinen Golfturnier, einem Aufschlagwettbewerb etc. Alle diese Aktivitäten haben wir zusammen mit Eberhard Weber und vielen anderen Helfern geplant und organisiert. Das Programm verstand sich als ein Freizeitangebot während der längeren Turnierpausen, damit die jungen, aktiven Spieler auch anderweitig ihre Energie einsetzen können. Dazu konnten wir dank dem Magistrat der Stadt Hünfeld den Bürgerpark nutzen, wo wir einen Zeltpark errichteten und auch für kulinarische Genüsse sorgten. Und man kann hier wirklich von Genüssen reden, zumal die gastronomische Versorgung dank dem Profi Elmar Zuspann, einem erstklassigen Koch und Pächter des St. Hubertus Gasthofes Praforst, gesichert war. Parallel fanden die Turnierspiele statt und um das alles kümmerten wir uns vier Tage lang. Trotz des nicht optimalen Wetters, denn an einem Tag stand die Anlage nach kräftigen Regenfällen teilweise unter Wasser, war der erste 'Offis Cup' eine absolut gelungene Veranstaltung, bei der alle Turnierfreunde, Spieler, Betreuer, Zuschauer und Organisatoren auf ihre Kosten kamen. Auch den Sponsor haben wir für die weitere Unterstützung des Projekts gewonnen und den festen Entschluss gefasst, auch im nächsten Jahr das 'Offis Cup' Turnier auszurichten.
Da wir in Topform waren, konnten unsere Spieler bei dem Turnier Siege beziehungsweise Zweitplatzierungen erringen: Tobias Schäg in der Altersklasse 1, Philipp Kauffmann in der AK3 und Andreas Weber gewann in der AK5.

Abschied von drei großen Damen unseres Vereins

Wenn man sagt 'unser Tennisclub' oder 'in unserem Sportverein', dann verbindet man damit eine bestimmte Atmosphäre, bestimmte Bilder mit Farben, Lauten und Gerüchen und vor allem Menschen. 'Unser Tennisclub' heißt immer etwas Einzigartiges, ein Geflecht aus verschiedenen Charakteren, Erlebnissen und kaum wahrnehmbaren Stimmungen, Gesichtsausdrücken, Sprüchen. Erst das alles zusammen ergibt eine bestimmte, für den Verein spezifische Atmosphäre. Aus diesem Gesamtbild unseres Vereins waren auch drei ältere Damen nicht wegzudenken und dennoch mussten wir in dem Jahr Abschied von ihnen nehmen. Frau Frieda Püsch verstarb im Alter von 95 Jahren und war seit den ersten Gründungsjahren des Tennisclubs ununterbrochen Mitglied, wenn auch immer passives Mitglied gewesen. Besonders lebhaft bleiben meine Erinnerungen an Ilse Ochmann, die als gute Seele des Vereins mit ihrem Sinn für Humor und immer fröhlicher Stimmung das Clubleben sehr positiv bereicherte. Sie verbrachte unendlich viele Stunden mit ihrer ganzen Familie, ihrem Ehemann Günter und den Kindern Wolfgang und Beate auf der Anlage, brachte sich tatkräftig in das Clubleben ein, aber drängte sich nie in den Vordergrund. Die dritte in dem Jahr verstorbene Dame war Ani Lau. Zehn Jahre lang hat sie unser Clubhaus bewirtschaftet und diese Leistung verdient wenigstens diese Zeilen in der Clubchronik. Frau Lau war tatsächlich jeden Abend oder jeden Nachmittag ab 17 Uhr auf der Anlage präsent, erledigte den Einkauf, kümmerte sich um alles und hatte sogar immer kleine Speisen im Angebot. Sie war einfach für uns da.
Alle drei Damen haben auf ihre besondere Art und Weise zu der Clubatmosphäre beigetragen und so ihren festen Platz in diesem Geflecht eingenommen.
Das läßt ja auf einiges hoffen!


DAS JAHR 1997

Die nächste Saison erfüllte uns wieder mit Optimismus und Freude über weitere sportliche Erfolge und brachte noch eine bauliche Verschönerung unserer Anlage.

Bei der Hauptversammlung am 30. Januar 1997 verließ leider auch der letzte Verbündete von all denjenigen das Vorstandsboot, die 1990 mit mir den neuen Vorstand gebildet hatten, und zwar der Sportwart Heinz Proksch. An dieser Stelle möchte ich ihm noch einmal herzlich dafür danken, dass ich besonders in den für mich schwierigen Anfangsjahren immer auf seine tatkräftige Unterstützung zählen konnte. Seine mitreißende Kraft, sein Elan und sein Ideen belebten wieder das Turnierwesen und er setzte viele Akzente auch im organisatorischen Bereich und in der leistungsorientierten Mannschaftsentwicklung. An seine Stelle trat in dieser Saison erstmals eine Frau: Vera Reuther. Aus heutiger Sicht kann ich objektiv sagen, sie hat ihren Job mit Bravur gemacht.

Adieu monströse Glasfassade

Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnte, hat sich der Umbau des Clubhauses als eine sehr sinnvolle Investition erwiesen und in allen Punkten bewährt. Das einzige Überbleibsel aus den 1960er Jahren, das nicht gerade optisch fördernd wirkte, war eine Glasfassade, die damals als starres Element zum Platz Nr. 2 hin geplant und auch ausgeführt worden war. An der rechten Seite befand sich lediglich eine ganz kleine Tür, und das ganze Monstrum versteckte das wunderschöne Clubhaus mit der Terrasse und versperrte gleichzeitig die Terrassenaussicht auf die ganze Anlage. Nach einigen Gesprächen mit der Hünfelder Firma 'Metam', deren Schwerpunkt im Wintergartenbau liegt, wurde uns ein Konzept unterbreitet, das unserer Vorstellung entsprach. Den finanziellen Aufwand von 30 000 DM linderten Zuschüsse vom Landessportbund und von Seiten der Stadt, so dass wir das Projekt im Frühjahr ohne viel Federlesen angegangen sind und es auch ziemlich zügig abgeschlossen haben.
Jedes Mal, wenn ich durch die große Öffnung aus dem Clubhaus auf die Terrasse vor allem beim schönen Wetter gehe, freue ich mich, dass wir diesen Plan damals so rasch und entschlossen umgesetzt haben.

Tennissaison 1997

Die eklatante Entwicklung sportlicher Möglichkeiten unserer Mannschaften ließ in der Saison 1997 nicht nach. Ganz im Gegenteil, der Siegestrend hielt an und die erste Herrenmannschaft stieg mit Bravur in die Verbandsliga auf. Verbandsliga ist eine Spielklasse, in der eine Herrenmannschaft des TC 'Blau-Weiß Hünfeld' zwar schon gespielt hatte, dieses Ereignis ragte aber weit in die Vergangenheit zurück, in das Jahr 1975. Und es herrschte eine Riesenfreude im Club, als wir nach langer kontinuierlicher Arbeit wieder diesen Supererfolg feiern konnten. Die Mannschaft war identisch mit derjenigen aus der Vorsaison: Nenad Mioç, Thobias Schäg, Louis Geser, Lars Künne, Lutz Baumann, Joachim Weber und Nils Künne.
Auch die Jugend etablierte sich sehr gut in der Gruppenliga und der 'Offis Cup' ´97 übertraf noch einmal den Erfolg des Vorjahres. Über 250 Teilnehmer aus ganz Deutschland kamen in Hünfeld zusammen, um an dem deutschen Rangturnier teilzunehmen. Diese unglaublich große Resonanz und positive Bewertungen von Seiten der Teilnehmer und deren Betreuer bestärkten uns natürlich in dem Vorhaben, das Turnier auch in der nächsten Saison auszurichten, zumal der Sponsor immer noch seine Unterstützung anbot.
In diesem Jahr wagten wir eine gastronomische Neuerung und beauftragten den freundlichen Italiener Franco Candioti, der das ‚Ristorante Pizzeria Il Pesce d’Oro’ in der Hünfelder Innenstadt führt, für das leibliche Wohl zu sorgen. In einem stilvollen italienischen Gastronomiezelt konnten sich die Teilnehmer dann während der Turniertage stärken, und alle waren sichtlich zufrieden. Die Turnieratmosphäre erfuhr in diesem Jahr auch eine positive Steigerung, weil die Jugendlichen zum großen Teil im Jugendgästehaus der Stadt Hünfeld untergebracht waren und dadurch mehr Möglichkeiten zum näheren Kennenlernen hatten. So konnte sich nicht nur tagsüber, sondern auch an den Abenden während gemeinsamer Feiern eine tolle Kameradschaft entwickeln, die einen enormen Beitrag zum Gelingen eines solchen Turniers leistet.

Abschließend zu dieser erfolgreichen Saison erwähne ich noch die leistungsstarke Entwicklung von Tobias Schäg, der seine beste Platzierung in der deutschen Rangliste erreichte und zwar bis ungefähr 350 Punkte, in der hessischen Liste bis 35.

Bei der Mitgliederzahl sind wir auf dem Niveau über 500 geblieben, und das war enorm wichtig, weil alle unseren Vorhaben und natürlich das Jugendtraining finanzielle Mittel erfordern. Dieser Kurs unserer Vorstandstätigkeit war auch durchaus berechtigt, weil wir laut der jährlich veröffentlichten Statistiken prozentual den höchsten Anteil an Jugendlichen im Verhältnis zur gesamten Mitgliederzahl aufwiesen und damit dem Hauptziel in der Vereinsatzung entsprachen. Diese vordergründige Konzentration unseres Vereins auf Jugendarbeit verhalf uns immer wieder zu einer vorteilhaften Gesprächsatmosphäre bei Zuschussanfragen im Hünfelder Rathaus. An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei der Stadt Hünfeld und insbesondere bei Bürgermeister Herrn Dr. Fennel für die Unterstützung bedanken. In all den Jahren meiner Vereinsführung habe ich eigentlich nie ein 'Nein' von städtischer Seite gehört. Eine so effektive und konfliktlose Zusammenarbeit mit der Rathaus-Behörde gehört in benachbarten Vereinen nicht immer zur Selbstverständlichkeit, und ich bin wirklich froh, dass sich der Hünfelder Bürgermeister den Bedürfnissen der Jugend nicht verschließt und immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen hat.

DAS JAHR 1998

Wir ruhten uns nicht auf unseren Lorbeeren aus. Auf der Anlage führten wir  im Frühling des Jahres noch eine Baumaßnahme durch, die unbedingt notwendig war. Zwischen der Hasel und der Anlage befand sich eine irgendwann in den 1970er Jahren zum Schutz vor Hochwasser gebaute Spundwand. Tatsächlich kam es in den vielen Jahren nicht selten vor, dass die Haselgewässer über die Ufer traten und die Anlage gänzlich überschwemmt wurde. In einem Jahr in den 1980er Jahren musste sogar der Spielbetrieb für ein Jahr bis auf einen Platz eingestellt werden. Diese Spundwand ist inzwischen marode und brüchig geworden, so dass sie ihren Zweck nicht erfüllte. Auch seitens der Stadt wurde uns zu verstehen gegeben, dass die internen Sicherheitsmaßnahmen auf der Anlage sichergestellt werden müssen, wenn wir bei eventuellem Hochwasser mit Zuschüssen rechnen wollen. Da solche unvorhergesehenen Ausgaben nicht im laufenden Etat geplant waren, mussten wir mit viel Eigenleistung die Kosten auf einem niedrigen Niveau halten. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 8 000 DM und diese Summe belastete uns nicht zu stark. Die Spundwand wurde erneuert. Allerdings sank auch die Hochwassergefahr entlang der Hasel und zwar höchstwahrscheinlich durch die Veränderung ihres Laufs im Zuge des Baus des Haselsees. Man konnte aber nie wissen, ob es auch so bleiben würde. Deswegen 'komme, was wolle', unsere Anlage war gegen solche Eventualitäten gefeit.

Seit drei Jahren setzte 'Blau-Weiß Hünfeld' seinen Höhenflug auch tennissportlich fort. Die Saison des Jahres kann ohne weiteres als erfolgreichste Phase in den 90er Jahren angesehen werden, denn die erste Mannschaft spielte inzwischen Verbandsliga, die Jungsenioren immer noch Oberliga und in den einzelnen Ranglisten waren unsere Jugendlichen hervorragend vertreten. In der Bezirksrangliste waren elf Namen von unseren Jugendlichen wiederzufinden, in der Hessenrangliste sechs und in der deutschen Rangliste vier. Andreas Weber hatte sich dabei auf den ersten Platz der hessischen und auf den dritten Rang der deutschen Rangliste vorgearbeitet.


'Offis Cup' umgetauft in 'Olsten Cup'

Traditionell fand auch in diesem Jahr das deutsche Rangturnier in Hünfeld auf unserer Anlage statt. Allerdings nicht als 'Offis Cup', sondern unter einer neuen, sponsorbedingten Bezeichnung 'Olsten Cup', weil unsere heimische Firma Offis durch das amerikanische Unternehmen Olsten übernommen wurde. Glücklicherweise konnte Wigbert Biedenbach wieder einmal erfolgreich stichhaltige Argumente in den Gesprächen mit der neuen Firmenführung einsetzen, und das Turnier verlief auch in dieser Saison mit ähnlichem Erfolg und Enthusiasmus. Dieser 'Offis/Olsten Cup' entwickelte sich wahrhaftig zum Highlight des Jahres und nahm die von uns als Veranstalter durchaus erwünschte Form einer sportlichen Begegnung mit Wettkampfgeist, Leistung, aber auch mit Kameradschaft, Wohlgefühl und Spaß an. Leider hatte ich als Vorsitzender am meisten mit dem Faktor 'Spaß' zu kämpfen, der alljährlich zu wiederholten Ordnungswidrigkeitsverfahren führte. Ähnlich wie bereits in vergangenen Jahren bei Sommerfesten fühlten sich nämlich die Anwohner ‚Im Haselgrund’ durch den ihrer Meinung nach zu hohen Geräuschpegel an unseren geselligen Abenden gestört und verständigten die Polizei. Natürlich nahmen wir so einen Polizeibesuch in der Laune des Abends nicht sehr ernst. Ein böses Erwachen gab es meistens für mich einige Tage später, wenn von der Stadt Hünfeld die Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit bei mir zu Hause einging. Nur der juristischen Überzeugungsarbeit und dem rhetorischen Geschick unseres Mitglieds und Anwalts Martin Abel verdankten wir jedes Mal die Einstellung des Verfahrens.
Eigentlich sollte es doch eine Formel geben, die eine traditionelle, gesellige Turnierfeier und die Vorstellung von solcher Feier in der unmittelbaren Nachbarschaft unserer Anlage, verbindet und eine friedliche Parallelexistenz ermöglicht. Wir werden daran arbeiten.

DAS JAHR 1999

Wie aus der Vogelperspektive blicke ich auf über zehn Jahre der Clubgeschichte zurück und stelle erneut fest, dass ihr Verlauf unausweichlich der Großwetterlage und allgemeinen gesellschaftlichen Tendenzen ähnelt. Unter diesem Blickwinkel erscheinen die Höhen und Tiefen der Vereinsgeschichte als eine logische Konsequenz des Zusammenspiels von Makro- und Mikrofaktoren. Auch das Jahr 1999 deutete langsam eine Veränderung an.

Erneuerung der Zaunanlage

Auf der Anlage führten wir noch eine Baumaßnahme durch, und zwar war das die Erneuerung der Zaunanlage an den Kernplätzen 1 bis 4 direkt unterhalb des Clubhauses. Fast 50 Jahre, also seit der Clubgründung, haben die Zäune ihre Dienste geleistet und es ist kein Wunder, dass sie alles überstanden haben, weil die riesigen Fundamente wie Bunkerbauwerke in der Erde verankert waren. Anfänglich wollten wir eigentlich nur die Zäune erneuern, folgten dann aber doch der bewährten Methode 'wenn schon, denn schon'. So wurden außer den Zäunen auch die Eckpfosten mit Fundamenten in Stand gesetzt, es wurde für ein optimales Entwässerungssystem gesorgt und es wurden neue Rasenkantsteine außen um die Zäune gelegt. Daraus resultierten dann auch höhere Kosten, die in keinem Etat veranschlagt waren. Den Gesamtbetrag von 42 000 DM beglichen wir mit den von Stadtkreis- und Landessportbund zugesagten Zuschüssen in Höhe von 14 300 DM, mit den durch die Zaunumlage in Höhe von 10 000 DM gesammelten Geldern und mit den aus dem 'Olsten Cup' erzielten Gewinnen. So gelang es dem Vorstand, die Baumaßnahme ohne Aussetzen der Tilgung des Darlehns des Clubhauses und ohne Defizit im laufenden Haushaltsbudget zu finanzieren.

Im Frühjahr 1999 verzichteten wir erstmals auf die komplette Überholung der Clubanlage durch einen externen Dienstleister und führten die Arbeiten teilweise in eigener Regie durch, was auf der einen Seite 4000 DM einsparte und auf der anderen Seite gleichzeitig den Teamgeist förderte und für alle Beteiligten eine angenehme Einstimmung auf die neue Saison war. Unsere Kulturwartin Kerstin versüßte die körperliche Anstrengung der Helfer mit allerlei Leckereien auf der Terrasse und motivierte ständig alle Arbeiter. So machten wir Einsparungen und förderten das Vereinsleben.


'Olsten Cup' - Erweiterung zum Nachwuchsturnier

Im Rahmen der Turnierorganisation gab es eine Niveausteigerung vom Rangjugendturnier zum Nachwuchsturnier, d.h. auch Spieler von 19 bis 22 Jahren konnten am Turnier teilnehmen. Es war in unseren Augen eine logische Konsequenz der Entwicklung des Turniers, da die starken Spieler in der Altersklasse 1 schon entweder an Nachwuchs- oder an Herren- und Damenturnieren teilnahmen. Auch unsere Frontmänner, wie Tobias Schäg, wuchsen aus der Jugendklasse heraus und es ist natürlich immer gut, bei so einem Turnier ein paar 'Lokalmatadoren' ins Rennen schicken zu können.

In dieser Saison erhielten wir Unterstützung für die erste Mannschaft von der Firma Förstina. Der Sponsor finanzierte neben T-Shirts die ganze Ausstattung der Mannschaft, was den Förderkreis beträchtlich entlastete und ermöglichte, das Geld in anderen Bereichen wie der Jugendarbeit, anzulegen.

In sportlicher Hinsicht mussten wir in dieser Saison zwei Abstiege einstecken: Die erste Herrenmannschaft und die Herren 30 stiegen aus der Verbandsliga in die Gruppenliga ab. Zu bemerken ist, dass der Misserfolg mit einigen Problemen der Spitzenspieler zusammenhing. Tobias Schäg erlitt bei den Spielen eine nicht gerade geringfügige Verletzung und konnte in der Rückrunde nicht mitkämpfen. Andreas Weber musste drei oder vier Spiele in der Nationalmannschaft nachholen und Nenad Mioç kündigte am Anfang der Saison sein Ausscheiden aus dem Club an und spielte dann auch in der Rückrunde nicht mit. Somit war der Abstieg unvermeidlich. Die Verbandsligamannschaft 1999 bestand aus den Spielern: Tobias Schäg, Nenad Mioç, Nils Künne, Louis Geser, Joachim Weber, Daniel Müksch und Gyula Sinkalavics, einem Ungarn, der über Kontakte nach Budapest zu uns gestoßen war.
Im Nachhinein hoffe ich, dass es nur ein Luftholen war, um die Erfolge in den nächsten Jahren fortzusetzen. Außerdem waren damit unsere Ziele nicht gefährdet, die wir uns am Anfang der 1990er Jahre gestellt hatten, nämlich in Hünfeld aus eigener Kraft eine Gruppenligamannschaft im Herren- und im Jugendbereich zu erhalten. Notabene sind meiner Ansicht nach solche Schwankungen zwischen Verbands- und Gruppenliga völlig natürlich, wenn man nicht, wie es bei anderen Vereinen der Fall ist, künstlich Spielermaterial extern dazukauft und dadurch eben die Klasse hält.

Als einen markanten Schnitt für die Jugendarbeit und natürlich großen Verlust für den Club muss man das Ausscheiden von Nenad Mioç einstufen. Er hat in den fünf Jahren unserer Zusammenarbeit absolute Akzente gesetzt, und zwar als Trainer, Mannschaftsspieler und Mensch. An dieser Stelle möchte ich nochmals einen herzlichen Dank an ihn aussprechen. Mit ihm endete eine erfolgreiche Ära.


Einige Bemerkungen zum Vereinsleben und zur Mitgliederzahl

Im Vergleich zu anderen Vereinen aus unserem Bezirk nimmt unser 'Blau-Weiß Hünfeld' in dieser Zeit eine recht gute Position ein. Das betrifft hauptsächlich die Entwicklung der Mitgliederzahlen, die treffend in zwei Zeitungsberichten aus dem Jahr 1999 veranschaulicht wurde. Laut der Angaben war 'Grün-Weiß' Fulda noch 470 Mitglieder stark und 'Rot-Weiß' Fulda zählte nur noch 270 Mitglieder, davon 213 aktive. Auch der Bad Hersfelder Tennisclub war mit 420 Mitgliedern nicht stärker als unser Verein mit 508 Mitgliedern, der damit zum größten in der Region wurde. Die Verhältnisse haben sich also in den letzten Jahrzehnten deutlich nach Hünfeld verschoben, was wir ganz eindeutig auf die breite und erfolgreiche Jugendarbeit zurückführen. Auch im Kernbereich Tennis brauchen wir uns nicht zu verstecken, denn seit dem Jahr 1999 spielen wir im Herrenbereich auf gleicher Ebene wie Grün-Weiß Fulda, im Jugendbereich spielen wir auf Landesebene, was den Fuldaern seit Jahren nicht mehr gelungen ist. Nur Mädchen- und Damenmannschaften konnten leider keine berauschenden Erfolge verbuchen, was man von den Kolleginnen aus Fulda nicht behaupten kann.

Bei der Beschreibung der letzten Jahre ist mir sehr deutlich geworden, dass sich der Club hervorragend entwickelt hat, sowohl im sportlichen Bereich als auch im Anlagenausbau. Was viel zu wünschen übrig ließ, war bedauerlicherweise das Vereinsleben, das sich im wesentlichen auf das jährliche Dr.-Ohlendorf-Mixed-Turnier beschränkte. Alle anderen Veranstaltungen, die früher aus dem Club heraus und mit Feuer und Flamme organisiert und gefeiert wurden, fanden kaum noch Akzeptanz der Mitglieder. Das Sommerfest mutierte eher zu einer erweiterten Vorstandsveranstaltung, denn die Clubmitglieder blieben aus. Auch das Clubturnier wurde eigentlich nicht mehr in dem Sinne angenommen, wie es noch Mitte der 1980er sowie am Anfang der 1990er Jahre zu beobachten gewesen war. Die Kämpfe um die Lorbeeren des Clubmeisters waren von echten Emotionen und vor allem von großem Ehrgeiz begleitet. Ich denke gerne an die Clubturniere mit Erich Krock, Gustav Müller-Rossbach und Berthold Habersack zurück, als der Titel des Clubmeisters den Sieger mit Stolz und die Besiegten mit Respekt erfüllte. Diese Einstellung hat sich in den Jahren bis fast 2000 erheblich geändert. Wir haben natürlich nach den Ursachen gesucht, uns Gedanken über neue Konzepte für ein bunteres, frischeres Turnier- und Clubleben gemacht. Aber eigentlich muss man konstatieren, dass alle diesen Bemühungen fehlgeschlagen sind.
Drei Faktoren scheinen meiner Ansicht nach mit dieser Rückbildung zusammenzuhängen. Altersbedingt haben sich gerade die früher sehr aktiven Senioren, also Spieler über 45 und 50 Jahren, vom Turniertennis fast völlig verabschiedet und sie waren bei Clubmeisterschaften überhaupt nicht mehr vertreten. Des Weiteren ist in dieser Zeit der Golfclub in Praforst gegründet worden und jeder Anfänger im Golfsport konnte große Erfolge in kurzer Zeit und diese fast spielerisch leicht erreichen. Außerdem sind die Möglichkeiten des Zeitvertreibs außerhalb des Vereins für die Jugendlichen interessanter und anscheinend attraktiver geworden, wogegen schwer und nicht immer sinnvoll zu kämpfen ist.

DAS JAHR 2000

Das Millenniumsjahr setzte auch in unserer Clubgeschichte eine Art Zäsur. In der Hauptversammlung 2000 gab Eberhard Weber sein Amt als Jugendwart auf. Damit ging für den Club eine kleine, aber eine sehr erfolgreiche Ära zu Ende. Er hat sein Amt sechs Jahre lang inne gehabt und es mit Leib und Seele ausgefüllt. Ohne seine unendlichen Energiereserven und ohne sein unglaubliches Engagement wären die Erfolge nicht möglich gewesen. Ich persönlich möchte noch betonen, dass mir die Zusammenarbeit mit Eberhard unheimlich viel Spaß gemacht hat. Wir haben bei der Planung und Organisation der Turniere eine Menge unvergessener Stunden auf der Anlage verbracht. Die Aufgaben des Jugendwarts übernahm dann Norbert van Thiel, ein junger und ideenreicher Mann, der das Amt sehr engagiert wahrnimmt. Nach vier Jahren hat auch unser zweiter Vorsitzender Thomas Latsch sein Amt niedergelegt und an seine Stelle wurde in der Hauptversammlung Ali Rehberg gewählt. Den Sportwartposten nahm Jochen Helmeke ein, der durch seine jahrelange Turniererfahrung geradezu prädestiniert für diese Aufgabe ist. Kassenwart in diesem Jahr wurde Jürgen Wagner für den ausscheidenden Thomas Sedelmayr. Peter Müller-Engelmann  gab sein Amt an Vera Reuther ab, die damit nach drei Jahren von der Sportwärtin zur Schriftführerin wechselte.

Mit diesem relativ neuen Vorstand starteten wir in das neue Jahrzehnt und ins 21. Jahrhundert. Die Vorstandsarbeit funktionierte dann auch sehr harmonisch und effektiv. Wir konzentrierten uns in dem Jahr hauptsächlich auf die Vorbereitung der Anlage auf den Hessentag 2000, der in Hünfeld stattfinden sollte.

Hessentag 2000

In Bezug auf das große Event, das die ganze Stadt fast in Alarmzustand versetzte, machten wir uns große Hoffnungen, dass sich die Ausläufer des Trubels gewinnbringend bis auf unsere Anlage erstrecken würden. Bereits im Vorjahr hatten wir mit dem Ehepaar Ginzkey, das sich bereit erklärt hat, die Bewirtung des Clubhauses während des Hessentages zu übernehmen, verschiedene Szenarien durchgespielt und analysiert. Diese reichten von einem totalen Andrang an der Anlage von Besuchern und Gästen bis zum Ausbleiben von Gästen. Mit viel Aufwand und Engagement haben Arno und Maria Ginzkey ihrerseits und wir als Tennisclub unsererseits alles vorbereitet. Leider ist dann die pessimistische Variante unserer Planung eingetreten und die Gäste blieben aus, weil die Anlage doch etwas abseits der Besucherströme lag. Trotzdem möchte ich dem Ehepaar einen herzlichen Dank dafür aussprechen, dass sie den Willen und Mut zur Übernahme des Risikos hatten und ihre Aufgabe großartig gemeistert haben.

Neuer Trainer
Bevor Nenad Mioç sich endgültig von uns verabschiedet hatte, empfahl er uns noch einen potenziellen Nachfolger, den wir auch am Anfang der Saison 2000 kennen lernen konnten. Es war der junge Kroate Petar Bubalo. Die Entscheidung musste zwar schnell getroffen werden, aber wir wahrten die nötige Professionalität und nüchterne Objektivität beim Probetraining mit Peta. Ich muss sagen, der erste Eindruck von seinem Auftreten und seinen Trainerkompetenzen war ausgezeichnet. Zum Glück trübte dieser erste Eindruck nicht und Petar Bubalo erwies sich im Laufe des Jahres als sehr konzentrierter und kompetenter Trainer, der die unentbehrliche Zauberformel beherrschte, Kinder und Jugendliche für Tennis und Leistung zu gewinnen. Mit seiner freundlich-professionellen Art waren sowohl die Mitglieder als auch die Eltern zufrieden. Es war auch für den Vorstand von großer Bedeutung, einen hochqualifizierten Nachfolger für Nenad zu finden, weil das relativ hohe Niveau in der Breite und in der Spitze erhalten bleiben sollte.
Dass Petar Bubalo dieser Aufgabe durchaus gewachsen war, bewiesen in dieser Saison wohl die bisher größten Erfolge von Andreas Weber, der von ihm weiter trainiert wurde. Andi wurde in diesem Jahr deutscher Jugendmeister seiner Altersklasse und gleichzeitig auch Vizeeuropa- sowie Vizeweltmeister mit dem deutschen Jugendteam. Der Höhepunkt war dann für ihn am Ende des Jahres die Teilnahme an der inoffiziellen Weltmeisterschaft für Jugendliche, der Orange Bowl in Miami, bei der er nach etwas unglücklicher Auslosung dann in der Nebenrunde sehr gut abgeschnitten hat.

Nach 10 Jahren Clubgeschichte

Abschließend zu den hier chronologisch dargestellten zehn Jahren unserer Vereinsgeschichte und meiner Tätigkeit als Vorsitzender möchte ich ein Resümee über den momentanen Stand (2001) vom TC 'Blau-Weiß Hünfeld' ziehen.  
Mit einer Mitgliederzahl von 500 haben wir das nötige personelle Potenzial sowie die finanzielle Stärke, um diese wunderschöne Tennisanlage im Haselgrund auf entsprechendem Niveau zu halten und die von der Vereinssatzung vorgegebenen Hauptziele: Förderung des Tennissports allgemein und insbesondere Förderung der Jugend hier in Hünfeld auch in Zukunft zu verwirklichen.
Die finanzielle Situation des Vereins ist gut und stabil. Zu Beginn der 1990er Jahre, als der kostspielige Umbau des Clubhauses beschlossen und in die Tat umgesetzt worden war, plagte uns im Vorstand ein leichtes unterschwelliges Unbehagen, ob wir uns nicht doch finanziell übernehmen würden. Heute kann ich feststellen, dass der Löwenanteil des Darlehns planmäßig und ohne besondere Sparmaßnahmen abbezahlt wurde und die große Last des Umbaus momentan auf gerade noch 80 000 DM geschrumpft ist. Ich bin auch der Ansicht, dass es in den nächsten Jahren kein Problem sein wird, diesen Darlehnrest weiter abzubauen und eventuell neue Investitionen wieder ins Auge zu fassen, soweit sie nötig sein sollten.
Wie ich bereits auf den vorangehenden Seiten der Clubchronik erwähnt habe, ist die Entwicklung eines einzelnen Tennisvereins stets im Makrokontext der gesamten Tennissituation auf der Bundesarena zu sehen. Der seit einiger Zeit anhaltende Eindruck, der edle 'weiße Sport' verliere allmählich an Prestige und Bedeutung, büße immer mehr Mitglieder zugunsten anderer Sportdisziplinen ein und die Tennisanlagen der Vereine in ganz Deutschland stünden wüst und leer, scheint leider teilweise zuzutreffen. Wenn wir die heutige Zeit mit der Boris-Becker-Zeit vergleichen, ist ein Rückgang und nachlassendes Interesse zu verzeichnen. Folglich haben wir nicht mehr den automatischen Zulauf an Kindern und Jugendlichen, wie es Anfang der 1990er Jahre der Fall war. Eine Existenzberechtigung scheinen heutzutage solche Vereine zu haben, die professionell und strukturiert geleitet werden und ein hochqualifiziertes Angebot an Training und an Nutzung der Anlage garantieren. Und unser Club verfügt über ein durchdachtes Vereinskonzept zur Mitgliedergewinnung, Mitgliederbetreuung, zum Breiten/-Leistungssport, zur Jugend sowie zur Gastronomie. Deswegen bin ich sehr zuversichtlich, was die Zukunft des Tennissports in Hünfeld betrifft. Es ist uns auch bewusst, dass der hohen Kompetenz des Vereinstrainers eine enorm wichtige Bedeutung zukommt. Der Trainer muss eine Art 'Sportdirektor/Manager' im Club sein, als 'Profi' gelten, der weiß, was zu tun ist und durch ehrenamtliche Mithilfe unterstützt wird. Ich denke, in dieser Hinsicht haben wir die Weichen rechtzeitig gestellt, was unsere Erfolge der letzten Jahre beweisen.
Diese allgemeinen 'Erfolgsregeln' möchte ich noch um einen, meiner Ansicht nach unentbehrlichen Faktor ergänzen: Leidenschaft. Mag sein, dass Fachkompetenz und Innovation als Erfolgsbasis nicht wegzudenken sind, doch nur mit Leidenschaft und innerer Überzeugung der Initiatoren kann das Optimum und Maximum an Leistung erreicht werden. Auch die Clubmitglieder nehmen diese ehrliche Einstellung wahr und fühlen sich letztendlich wohler, was zur allgemeinen Clubatmosphäre und nicht zuletzt auch zu den sportlichen Erfolgen entscheidend beiträgt. Hier sehe ich auch unser großes Potenzial, weil unsere Spieler im Vergleich zu anderen Vereinen gerne und ohne die Hand aufzuhalten siegreiche Ballwechsel liefern und den Verein bei den Turnieren repräsentieren. Eben nicht alles lässt sich mit barer Münze bezahlen.
Der Golfboom ist zwar in aller Munde, aber es gibt immerhin etwa achtmal so viel Tennisspieler wie Golfspieler in Deutschland. Mit einem Vereinskonzept und ehrlichem, persönlichem Engagement kommt man garantiert sicher zum Erfolg!

Alles in allem blicke ich persönlich auf elf sehr abwechslungsreiche und schöne Jahre mit dem Verein zurück. Vor allem die Vorstandsarbeit im Team mit vielen engagierten Gleichgesinnten hat mir bis auf ganz wenige Ausnahmen riesigen Spaß gemacht. Ich denke auch, dass der Vorstand in den zehn Jahren die von den Vorgängern Dr. Willi Ohlendorf und Martin Ebert vorgegebenen Ziele sukzessiv erreicht hat.

Mit diesem, meines Erachtens nach nicht unbegründeten Optimismus können wir dem nächsten Tennisboom, der hoffentlich kommen wird, gelassen entgegensehen. Die Tennisanlage und der Verein sind gerüstet. Wir hoffen auf weiterhin gute wie auch sehr gute 50 Jahre Tennisclub 'Blau-Weiß Hünfeld'.


Klaus Ohlendorf


1990 - 2000